30.07.98 - Ende einer Reise

Der letzte Tag. Die Glocke der Dorfkirche bimmelt uns wach. Nach einem guten Frühstück im Hotel brechen wir auf. Es regnet nur gelegentlich in kurzen Schauern. Um diesen traurigen Tag wenigstens noch sinnvoll aufzuwerten, beschließen wir, einige historische Stätten in der Umgebung zu besichtigen. Nördlich von Osnabrück gondeln wir über kleine Dorfstraßen, auf der Suche nach der Wittekindsburg, einer Festung des berühmten Sachsenfürsten. Da die Lage der Burg auf der Karte nur undeutlich vermerkt ist, fragen wir herumlaufende Einheimische. Keiner hat je davon gehört. Anja will schon wieder weiter fahren, ich gebe jedoch nicht auf und dränge darauf, zumindest noch einen Weg abzufahren. Im Prinzip könnte die Burg auf jedem dieser dicht bewaldeten Hügel gestanden haben. Mehr zufällig entdecke ich im Rückspiegel ein unscheinbares Hinweisschild. Ich drehe sofort um. Wir schlagen uns zu Fuß den steilen Waldweg bis zur Ebene hinauf. Hier finden wir tatsächlich die Mauerreste und Erdwälle einer der Burgen Widukinds. Natürlich überwachsen von 1000jährigem Wald. Unsere nächste historische Station ist die archäologische Ausgrabungsstätte bei Kalkriese, wo in einem Informationszentrum Funde der legendären Varusschlacht ausgestellt werden. Gegen Nachmittag machen wir uns auf den Weg zu unserer letzten Etappe. Ein seltsames Gefühl, nach all den schönen Fahrten nach Hause zu fahren. Wir genießen die Tour aber trotzdem. Zunächst fahren wir am nördlichen Fuß des Wiehengebirges entlang in Richtung Osten. Als sich nahe Minden eine graue Kleinstadt an die nächste reiht, biegen wir ab, um den Wesermoloch auf kleinen Landsträßchen zu umfahren. Schließlich finden wir uns auf der wohlvertrauten B 215, der Verbindung zur B 75 wieder, die uns Heim bringen soll. Die letzten Höhenzüge verabschieden sich aus dem Rückspiegel; die Weite der Norddeutsche Tiefebene empfängt uns so, wie wir sie kennen und lieben: Ein harter Wind bläst unerbittlich aus Nordwest, der Himmel zerrissen, es ist bitterkalt. Die schnurgerade Allee mit den mächtigen Eichen und Birken verschwindet am Horizont unter bedrohlich wirkenden, dunklen Wolkentürmen. Wir legen die letzten Kilometer auf der A7 zurück. Die Ankunft in der Hansestadt ist immer wieder beeindruckend,wenn sich das riesige Hafengebiet links und rechts der Stelzenautobahn ausbreitet. Wir verschwinden im Elbtunnel, der Himmel über Hamburg ist schwarz.