24.04.03

Die Morgenfrische über dem See und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen entschädigen für alles. Auf kleinen Bergstrassen mache ich noch eine Tour über die Höhen und durch die Täler des Thüringischen Waldes. Die Landschaft erinnert mich ein wenig an den Harz, Nadelwald, windige Kuppen, steile Hänge mit Serpentinenstrassen. Einmal mehr lassen die Reifen jede schnell genommene Kehre zur Mutprobe werden. Am Fuss des Mittelgebirges liegt im Norden Arnstadt. Von dort aus suche ich einen Weg zur Mühlburg, die besonders alt sein soll. Um den ohnehin überquellenden Verkehr in der Stadt auf geregelten Bahnen auf die Autobahn zu lenken, hat man auf die Ausschilderung dieser Strasse verzichtet, so dass ich eine Irrfahrt durch ein schönes, aber falsches Tal mit nachfolgendem 30 Kilometer Umweg fahren muss, um endlich zu der besagten Burg zu gelangen. Ein Schild sagt "Fussweg zur Burg 20 Minuten". Da mach ich lieber ein Picknick und lasse die Burg Burg sein. Etwas Kartenstudium und die weitere Route wird geplant. Weiter nordöstlich, in die Lausitz vielleicht.

Davor gilt es aber erst einmal Strecke zu machen. In dieser dichtbesiedelten Region der ehemaligen DDR gibt es nicht viel Schönes zu sehen. Die Landschaft ist von Industrie geprägt, die Strassen sind voll mit LKW Verkehr, in jeder Stadt ist mindestens eine der Hauptverkehrsachsen vollgesperrt, so dass sich die endlose Blechlawine durch staubige Nebenstrassen quält. Ich versuche, ein Stück auf der Autobahn zu nehmen, um Zeit und Nerven zu sparen. Aber auch hier: Stress, kilometerlange Baustellen, Stau. Auf freien Abschnitten habe ich erstmals nach der Einfahrzeit die Möglichkeit, den Benelli richtig auszufahren. 120 km/h sind jederzeit möglich, dabei liegt er satt und ruhig. In Jena verlasse ich wieder die Autobahn, weil mir die Stadt einen Blick wert scheint. Völliges Verkehrschaos, Plattenbauten, aber auch eine lebendig wirkende Innenstadt mit auffallend vielen Studentinnen. Meine Annahme, die Bundesstrasse 7 müsste eigenlich recht leer sein, da sie ja parallel zur Autobahn verläuft, erweist sich als Irrtum. Und nicht nur das, ein paar Kilometer hinter Jena ist sie vollgesperrt und ich tuckere endlos auf kleinen Dorfstrassen hinter einem Kranwagen her. Ich lasse mich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen. In Zeits, einer ehemaligen, heute ruinenhaften Industriestadt lerne ich bei einer sehr authentischen Thüringer Bratwurst ein paar Alteingesessene kennen. Der obligatorische Kommentar "Ohh, ganz aus Hamburg sind sie hier runter..." bleibt auch hier nicht aus. Über Borna, Grimme, am Rande von grossen Tagebaugebieten, die mit ihrer Peripherie die gesamte Region strukturieren, komme ich allmählich und bei in den Abendstunden ruhiger werdendem Verkehr in den Dübener Heidelandschaften an. Die Berge sind weg, schnurgerade Strassen führen durch Wald oder über Wiesen. Heute will ich nicht Zelten, sondern ein Zimmer nehmen. Den Dreck der staubigen Pisten abwaschen und in einem richtigen Bett schlafen.

Torgau erscheint am Horizont und direkt am Elbdeich finde ich eine schmucke und günstige Pension. Abends schlendere ich durch die alten Gassen in lauer Luft, esse Pizza und verbringe einen entspannten Abend.