1. Etappe: Hamburg - Pfungstadt 11.07.98, 06.30 Uhr

 

Die Ausrüstung ist komplett, die Sachen gepackt, ein bißchen Proviant ist vorbereitet. Es geht los. Der Moment, dessen Vorstellung uns die Wochen wechselhaften Schmuddelwetters in Norddeutschland hat überstehen lassen, ist da. Müde, aber voller erhebender Vorfreude packen wir unsere Tankrucksäcke, Packtaschen und Gepäckrollen auf unsere Maschinen. Die kleine Suzuki wirkt etwas überladen, läßt sich jedoch noch gut fahren, die Jawa ist mit dem schweren Gepäck sehr toplastig und läßt sich nur mit größtem Kraftaufwand aufbocken. Aber sobald man rollt, geht's. Wir haben uns vorgenommen, die ca. 600 km bis zu unserer ersten Station möglichst nur auf der Landstraße zu fahren.

Auf der B3, die bei Buchholz in der Nordheide beginnt, und bis nach Basel führt, fahren wir warm und wasserdicht eingemummelt unter tiefhängendem Himmel durch die Norddeutsche Tiefebene. Die öde Landschaft wirkt in dem Grau der dicken Wolken noch trostloser. Immer wieder regnet es, dazu bläst ein kerniger Wind direkt aus Süden - also immer Gegenwind. In den ersten Mittelgebirgsausläufern macht Anjas Suzi dann auch klar, wieviel 11 PS wirklich sind: mehr als 70 km/h sind teilweise nicht drin. In Hessen dann, wo die Landschaft schöner wird, hat auch das Wetter ein Einsehen, das erste Mal kommt so etwas wie Fahrfreude auf. Auf leeren und sehr guten Landstraßen erreichen wir Frankfurt, die B3 führt mittendurch. Eine angenehme Abwechslung. Es ist mittlerweile Spätnachmittag und bis Pfungstadt ist es nicht mehr weit. Pünktlich zum Abendessen und überraschend entspannt kommen wir bei Anjas Schwester, unserer Herberge für diese Nacht, an. Ich stelle fest: Man kann also durchaus locker so eine Strecke mit kleinen Maschinen am Stück fahren, vorausgesetzt, man läßt sich nicht stressen.