| 25.07.98 - jenseits der Alpen... Morgens hängen dicke Wolken an den Berghängen. Wir sind nicht mehr in Südfrankreich, machen wir uns nichts vor. Nur noch ein Paß trennt uns vom Norden. Nach dem Frühstück auf freier Strecke müssen wir uns die warmen Sachen überziehen, es wird merklich kühler. An der Kreuzung Furka/Oberalp/Grimselpaß entscheiden wir uns für den Letzteren. Es ist einer der klassischen, traditionsreichen Alpenpässe. Perfekt ausgebaute Fahrbahnen mit sicheren Mauern und Leitplanken. Es ist auch dementsprechend voll. Auch die bescheuerten Motorrad - Heizer versammeln sich hier, um zu zeigen was in ihnen -oder besser: in ihren Maschinen steckt. Der Paß ist oben in dichte Wolken gehüllt. Mystisch wirkt der hoch liegende Stausee, dessen anderes Ufer nicht zu sehen ist. Wir machen ein paar Fotos und fahren weiter. Seltsam gelb leuchtende Wolkenschwaden lassen nur vermuten, wie es jenseits der Straße aussieht. Ein paar Kehren tiefer mahnt ein Schild zu besonderer Vorsicht: Unfall! Auf der Hangseite liegt eine verbeulte Sportmaschine im Gras; die Sanitätsmannschaften stehen jedoch auf der anderen Fahrbahnseite an der Kante und blicken nach unten... Eine grauenhafte Vorstellung, durch einen kleinen Fahrfehler oder Selbstüberschätzung die Kontrolle zu verlieren und in die Tiefe zu stürzen. Trotzdem geht das Geheize um uns herum weiter. Nebelschwaden wechseln sich mit Sonnenabschnitten ab und schaffen eine unheimliche Atmosphäre. Als wir schließlich die Wolken von unten sehen, geht die Stimmung gegen Null: Es regnet. Scheiße. Unser letzter Paß - die Wetterscheide? Bitter bereuen wir, nicht noch ein paar Tage länger im Süden geblieben zu sein. Das Wetter fängt sich jedoch noch und wir bleiern den ganzen Tag durch die mittlere Schweiz über Luzern, Zug an schönen Seen entlang und über zartgrüne Hügel. Zu viele Orte, zu gute Straßen, alles ein wenig zu aufgeräumt. In St. Gallen ist es schon zu spät, das Kloster zu besichtigen. Wir haben Hunger, aber die Stadt ist irgendwie tot. Es gibt in der Schweiz auch keine Imbisse. Also fahren wir weiter, bis sich im Norden der Bodensee vor uns ausbreitet. Auf einmal löst sich die Wolkendecke auf, unsere Stimmung steigt wieder etwas. Auf einer Mega-Wohnwagenstadt zwängen wir uns mit unserem Iglu in die letzte Ecke. Als Trost können wir bi in die Nacht hinein noch am Ufer des fast wie das Meer wirkenden Bodensees sitzen. Uns ist klar, daß die wirklichen Höhepunkte der Tour definitiv hinter uns liegen. | | | |