27.07.98

 

Der nächste Morgen empfängt uns mit milchig - weißem Himmel und Nieselregen. Wir kriegen das Zelt zwar noch einigermaßen trocken eingerollt, trotzdem ist unsere Stimmung ziemlich weit unten. Auf nassen Fahrbahnen eiern wir hinter schleichenden Lkws aus dem Schwarzwald heraus, durchqueren die breite Rheinebene im Regen. Als Tagesziel haben wir uns Remich an der luxemburgischen Grenze gesetzt. Zum einen soll Luxemburg ja eine Reise wert sein, zum anderen wollen wir eine Nordroute fahren, die wir noch nicht kennen. In Straßburg verirren wir uns erneut. Ich bekomme einen Hals! Man kann in französischen Städten nicht nach Schildern fahren! Man versucht, sich einen Zielort auszusuchen und am nächsten Kreisverkehr ist dieser dann prompt nicht mehr ausgeschildert. Wenn man Glück hat, an der nächsten Kreuzung wieder. Meistens ist man bis dahin jedoch bereits völlig auf Abwegen. Genervt gurken wir von einem Ende der - eigentlich sehr schönen und interessanten - Stadt zum anderen. Irgendwie finden wir dann endlich doch noch eine Straße nach Nordosten. Was für eine langweilige Fahrt! Auf der Karte stand etwas von Nordvogesen. Was wir finden, sind zunächst endlose Vororte, Einkaufszentren, Autohäuser, Gewerbegebiete. Wir fahren dicht an der deutschen Grenze, die Orte tragen deutsch klingende Namen. Richtung Saarbrücken wird die Landschaft sogar ein wenig attraktiver. Vor dem Industriemoloch wechseln wir ausnahmsweise auf die Autobahn, um nicht stundenlang von Ampel zu Ampel zu stottern. Die Autobahn geht sogar direkt durch Saarbrücken und führt an den ausgedehnten Stahlindustrieflächen vorbei. Eine keineswegs uninteressante Fahrt. Hinter Saarlouis verlassen wir sie wieder und kommen auf kleinen Landstraßen der luxemburgischen Grenze näher. Dabei veranstaltet das Wetter eine seltsame Lichtshow aus dunklen, tiefhängenden Wolken, Sonnendurchbrüchen und in Tälern hängendem Dunst. Dieser Landstrich war uns bis jetzt vollkommen unbekannt. Wir fahren durch dünn besiedeltes Gebiet und erreichen schließlich die Mosel, welche die Grenze zu Luxemburg markiert. Das kleine Städtchen Remich hält Campingplätze auf deutscher, wie auch auf luxemburgischer Seite bereit. Wir entscheiden uns für den deutschen; er liegt direkt am Moselufer und bietet vom Zelt aus einen herrlichen Blick auf die hübsche Stadt. Abends schlendern wir noch ein wenig durch die Gassen, viel los ist nicht gerade, aber angenehm beschaulich. Über die Moselbrücke, in deren Mitte die - kontrollfreie - Grenze verläuft, donnern den ganzen Abend schwere Lastzüge. Der Himmel ist aufgeklart, wir liegen lange draußen vorm Zelt auf unseren Luftmatratzen und blicken auf die beleuchtete Uferzeile.