| 29.07.98 - im Regen Richtung Heimat Scheiße. Kalt, grau, Regen. Spät und ohne Kaffee rollen wir das nasse Zelt ein und fahren schlechtgelaunt durch die trostlose Landschaft. 500m ist das Gebiet hoch, es ist ein Eifelausläufer. Es könnte aber auch mitten in Schleswig Holstein sein. Ohne es besonders wahrzunehmen, passieren wir wieder die deutsche Grenze, nehmen Kurs durch die Hocheifel Richtung Köln. Dieses an sich sehr reizvolle Land wirkt unter dem aufgewühlten, grauen Himmel und Regen rauh und abstoßend. Wir verschwenden keinen Blick für die Schönheiten der Eifel, fahren auf Bonn zu. Wir glauben zu diesem Zeitpunkt noch an eine Wetterbesserung, wollen über das Bergische Land rechtsrheinisch weiterfahren. Vollkommen frustriert sitzen wir in Bonn in einem Imbiß, draußen gießt es. Zwar haben wir wetterfeste Kleidung, die uns auf der Hinfahrt auch gut geschützt hat, aber da hatten wir auch noch die ganze Tour vor uns. Wir müssen realisieren, daß wir wieder im Land des ewigen Scheißwetters sind. Die Alternative, in einer Gewalttour bis nach Hamburg durchzufahren, schlagen wir uns aus dem Kopf. Dann würden wir zu Hause wahrscheinlich Amok laufen. Statt dessen wollen wir auf Autobahnen zunächst Strecke in Richtung Norden machen und dann weitersehen. Die Fahrt ist anstrengend. Durch eine undurchdringliche Waschküche pflügen wir in dichtem Verkehr, können kaum was sehen. Besondere Sorgen macht mir Anjas Rücklicht, das vor einigen Tagen ausgefallen ist. Glücklicherweise bekommen wir auf einer Autobahnraststätte eine Ersatzbirne. Anja war in der Gischt der Laster manchmal geradezu unsichtbar geworden. Die Stadt Köln, das Ruhrgebiet, das Bergische Land sehen wir nur von der Autobahn aus. Weiter im Norden wird es trockener und Anja ringt ihrem 11 PS Boliden Geschwindigkeiten jenseits der 115 km/h Marke ab. Erst bei Münster verlassen wir das graue Band der Langeweile. Die westfälische Ebene kann auch beeindrucken. Besonders wenn man wochenlang nur durch spektakuläre Gebirgslandschaften gefahren ist. Weite Felderflächen, ab und zu mächtige Baumgruppen, die sich in den grauen, wilden Himmel recken. Wir wollen auf keinen Fall campen heute Nacht. Zu naß, zu ungemütlich. Und außerdem unser letzter Aufenthalt. Also suchen wir eine erschwingliche Pension, irgendwo hier in der Pampa. Merkwürdigerweise sind mehrere Landgasthöfe an der Strecke "ausgebucht". Uns drängt sich der Verdacht auf, Motorradfahrer zählen nicht zu der bevorzugten Klientel dieser Etablissements. Na ja, die scheinen wohl fett und satt zu sein. In einem Vorort von Bad Iburg schließlich nehmen wir ein Zimmer in einem herrlich ländlich - spießigem Hotel. Wir verspeisen einen großen Teller Holzfällersteak und gucken das erste Mal seit drei Wochen Fernsehen. Morgen werden wir wieder zu Hause sein. | | |