| Bei einem zauberhaften Wasserfall entledigen wir uns unserer Tourenklamotten, wissend, wir werden sie für die nächste Strecke vorerst nicht wieder anziehen müssen. Umwimmelt von bunten, kleinen Schmetterlingen setzen wir die Fahrt fort, fahren durch ein sehr langes Tal am Hang entlang, unter uns ein rauschender Gebirgsfluß. Aus jedem Busch erklingt das charakteristische, durchdringende Zirpen der Zikaden. Ein Geräusch, das uns für den nächsten Teil der Tour ständig begleiten sollte. Es vermittelt ein wohliges Gefühl von Süden und Wärme. Das Tal führt direkt nach Nizza. Noch ein paar spektakuläre Schluchten, Tunnel, dann wird das Tal langsam breiter, die Berge flacher. Ich hatte mir diesen Moment schon oft vorgestellt, wie sich nach den Bergen das Mittelmeer am Horizont vor mir ausbreitet. Die Enttäuschung ist dementsprechend groß, als sich statt dessen in Nizza lediglich sechsspurige Straßen vor uns ausbreiten. Ohne es zu merken, befinden wir uns plötzlich auf einer gebührenpflichtigen Autobahn, verirren uns nachhaltig im Gewühl und Gestank des Molochs. Soviel lärmender Großstadtverkehr nach der Idylle der Berge ist zuviel für uns. Frustriert sitzen wir am steinigen, überfüllten Strand direkt an der Hauptstraße mit den Hotelhochhäusern und importierten Palmen und rauchen eine beruhigende Zigarette. Freiwillig flüchten wir auf die Küstenautobahn, um die verstopften Städte an der Küste zu umfahren. Westlich von Cannes fahren wir wieder auf die kleine Landstraße, die wunderschön an der Cote d´Azur entlang führt. Jetzt erst offenbart sich die Schönheit dieser Landschaft. Das Meer so satt königsblau, wie ich es noch nie gesehen habe. Schneeweiße Schiffe ankern in von rotem Felsen umschlossenen Buchten. Die Straße schwingt sich kurvig an der Küste entlang. Bilder, die man aus Spielfilmen kennt. Luxusvillen, teure Autos. Wie im Rausch brummen wir die Prachtstraße entlang. Es ist schon spät und kurz vor St. Raphael zelten wir auf einem teuren, ungemütlichen Campingplatz. Bis spät nachts sitzen wir noch in einer kleinen offenen Bar direkt am Meer. Es ist lauwarm und der Streß von Nizza ist längst vergessen. Wie mag es jetzt wohl in Nordgermanien sein? Wir fragen uns, wie lange man das triste Regenwetter noch hätte ertragen können, ohne Depressionen zu bekommen. Reichlich betrunken kriechen wir in unser Zelt. | | |