19.07.98 - Hyères

Wir sind etwas unschlüssig, wie wir den anbrechenden Tag gestalten sollen, entscheiden uns schließlich, weiter gen Westen zu fahren, eventuell einen Campingplatz mit Strandzugang zu finden und noch einen Wassertag zu erleben. Nach nur etwa 20 km fahren wir auf die Halbinsel Hyères. Anja hatte diese Insel vor 6 Jahren schon einmal besucht, dieses mal ist es jedoch enttäuschend voll und überhaupt nicht so schön. Die meisten Campingplätze sind ausgebucht, ungemütlich oder sonstwie indiskutabel. Etwas zähneknirschend lagern wir schließlich auf einer riesigen Surf- orientierten Touristensiedlung, die Frau an der Anmeldung spricht sogar deutsch. In brutaler Hitze, auf staubtrockenem Boden steht unser Zelt. Kein Baum weit und breit. Einziger Trost: wir haben unseren direkten Strandzugang. Der Strand ist steinig, schmal und voll mit häßlichen Familien mit nervenden, dicken Kindern. Wir baden noch einmal und sind froh, als gegen Abend der Strand leerer wird. Doch es wird auch kühler. Wir sitzen noch lange im Pullover am Meer, bis es dunkel ist.

20.07.98 - Abreise vom Mittelmeer

Wir verlassen die Azurküste und dringen wieder ins Landesinnere vor. Durch sanfte Hügellandschaft fahren wir über eine Hochebene in Richtung Grand Canyon du Verdon. In den Ebenen wird die Hitze unerträglich, läßt einen kaum atmen. Es müssen wohl um die 40° Celsius sein. Selbst bei voller Fahrt ohne Jacke ist nicht die geringste Abkühlung spürbar. Es ist, als hielte man sich einen Fön direkt vor die Nase. Riesige, lilafarbene, duftende Lavendelplantagen bestimmen das Bild. Man sucht jedes noch so kleine Stückchen Schatten, findet aber keines. Der große Stausee des Verdon kommt in Sicht. Hinter ihm ragt einige hundert Meter eine graue Felswand auf, der See geht in den Fluß über, der sich in einer senkrechten Schlucht verliert. Die Straße windet sich in Serpentinen hinauf, um dann sehr hoch am Hang in der Schlucht über dem Fluß entlang zu führen. Unten auf dem knalltürkisem Wasser tummeln sich winzig klein Schwärme von Tretbooten. Wunderschöne Fahrten durch immer neue Schluchten bringen uns in urig wirkende Bergstädte. Durch einen kleinen Fehler beim Abbiegen geraten wir zufällig auf eine faszinierende Ringstraße, die teilweise senkrecht in die 700m tiefen Felswände gemeißelt ist. Ein unbeschreibliches Gefühl. Ein deutscher Rennradfahrer, den wir treffen, empfiehlt uns den Weg über Castellane in Richtung Col d´Allos. In der Tat, eine traumhafte Strecke. Immer durch das Tal des durch zahlreiche Staustufen zu Seen angewachsenen Verdonflusses. Mal auf dem einen, mal auf dem anderen Ufer, arbeiten wir uns nach Norden vor. An vielen Stellen sehen wir Leute in Gebirgsbächen oder Seen baden. Gegen Spätnachmittag kommt uns ein sehr sympathischer kleiner Campingplatz gerade recht. Ein schöner Ort, uralt, in der Nähe des Sees, hier wollen wir zwei Tage bleiben. Während ich noch einmal nach Castellane düse, um ein paar Einkäufe zu erledigen, begibt sich Anja auf Fotosafari an den See. Ich treffe eine Gruppe unangenehmer deutscher Biker, die ausschließlich für die Beschaffenheit des Asphalt Augen haben. Sie erzählen mir, daß es in Deutschland immer noch am Regnen ist...