Eine Alpenüberquerung per Motorrad ist wohl eine der beliebtesten Bike-Touren überhaupt. Schon seit einigen Jahren schwirrte mir der Gedanke im Kopf herum, doch immer kam etwas dazwischen. Anfang 1998 stand jedoch fest, diesen Sommer geht es los. Eine Fahrt bis ans Mittelmeer sollte es sein. Übernachtet wird im Zelt auf Campingplätzen, so wie ich es seit Jahren bevorzuge. Anja hatte sich inzwischen eine 125er Suzuki gekauft, die sie mit ihrem FS Kl. 3 fahren darf. Anfänglich war sie noch davon ausgegangen, wir würden die Reise zusammen auf dem Jawa Gespann fahren, ich hatte den Beiwagen jedoch mittlerweile abgebaut und war fest entschlossen, solo zu fahren. Trotz einiger Bedenken bezüglich Anjas spärlicher Fahrpraxis (ca. 1/2 Jahr) einigten wir uns, mit zwei Maschinen zu fahren. Zugegeben, nicht gerade die optimalen Motorräder für weite Touren, aber das haben wir ja vorher gewußt. Bedenken, daß irgendwas schiefgehen könnte hatten wir keine. Ich hatte schon sehr gute Landarten besorgt, sowie das Buch "Motorradreisen "Alpen"" aus der "Edition Unterwegs" vom Motorrad Verlag. In diesem Buch wird eine Route durch die französischen Hochalpen beschrieben, die uns optimal erschien. Wesentliche Abschnitte übernahmen wir, zumindest auf der Fahrt Richtung Süden. Strittig war noch die Frage, ob wir von Hamburg aus per Autoreisezug oder per Motorrad den Weg durch Deutschland zurücklegen sollten. Einerseits hätten wir mit dem Zug insgesamt 4 Tage gespart, andererseits beginnt meiner Ansicht nach ein zünftiger Motorradurlaub vor der Haustür und endet auch dort, nicht auf irgendeinem Bahnhof. Daß dann sämtliche Züge ausgebucht waren, erübrigte jede weitere Diskussion. Wir mußten mit "eigener" Kraft nach Süden. Seit Wochen herrschte Schmuddelwetter und eine Besserung war nicht in Sicht. Trotzdem zweifelten wir keine Sekunde, als der große Tag der Abreise kam.