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19.04.2003 Kaum zu glauben, aber um 5:02 Uhr morgens sitze ich im ICE und rausche in die Morgendämmerung. Bei mir habe ich eine grosse Gepäckrolle mit Zelt und Schlafsack, einen gut bepackten Rücksack und ein riesiges, prall gefülltes Topcase, das ich an den Roller montieren werde. Wird schon klappen. Die vergangenen Tage habe ich mit Planen, Überlegungen und Besorgungen verbracht, bin immer wieder die Checkliste durchgegangen, so dass jetzt eigentlich nichts mehr schiefgehen kann. Um 11 Uhr morgens treffe ich in Bad Vilbel ein und werde vom Händler "Esso Kloos" am tristen Bahnhof abgeholt. Er betreibt tatsächlich eine Tankstelle, die nebenbei Gebrauchtwagen sowie Motorroller verkauft. Während ich im Nebenzimmer mit dem Chef die Formalitäten abwickle, montiert Junior in der Werkstatt mein mitgebrachtes Nummernschild und das als "ganz schön gross" bezeichnete Topcase. Überhaupt sorgte meine Menge an Gepäck für skeptische Kommentare. Ohne dass ich den Roller auch nur einmal angelassen habe, steht er bepackt vor mit und ich muss losfahren. Die ersten Meter sind ernüchternd. Die Gepäckrolle klemmt auf dem Rücksitz und ist viel zu gross, ich hocke viel zu weit vorn. In der ersten Kurve schiebt die Fuhre katastrophal über das Vorderrad, so dass mir Angst und Bange wird. Also, so haut das alles nicht hin. Erstmal Reifendruck prüfen. 0,7 Bar vorn und 1.0 hinten offenbart das Tankstellen Barometer. Aha, soviel also zur Übergabeinspektion. Mit prallen Reifen und der Hoffnung, dass der Mechaniker wohl nicht auch vielleicht das Motoröl vergessen hatte, geht es weiter. Das Gepäckproblem habe ich auch gelöst. Statt hinten quer, verstaue ich die grosse Gepäckrolle nun hochkant vor der Sitzbank zwischen meinen Beinen. Dies stört beim Fahren kaum und füllt einen beim Roller sonst ungenutzen Raum. So, alles ist jetzt klar und ich kann mich voll auf meine Tour konzentrieren. Jetzt erst nehme ich den Charakter des Rollers wahr. Im Vergeich zu meinem kleinen 100er Yamaha wirkt er schwerfällig, obwohl der Benelli auch bloss 130 kg wiegt. Aber das Fahrverhalten ist ausgewogen, satt und "erwachsen". Der Motor läuft weich und kuppelt sanft ein. Ich hatte mir einen Sportroller bissiger vorgestellt, aber ich habe keinen Grund zur Klage. Die Reifen allerdings, das wird mir nach wenigen Kilometern klar, sind auch aufgepumpt eine Katastrophe. Absolut kurvenunwillig laufen sie jeder Spurrille hinterher, selbst kleine Fahrbahnmarkierungen stören die Linie. Ich werde sie austauschem, sobald es geht. Ich befinde mich mitten im Ballungsraum Frankfurt am Main, und mein heutiges Ziel ist Stuttgart. Eigentlich eine 2 1/2 Stunden Fahrt, wenn man den schnellen Weg nimmt. Ich will natürlich die Fahrt geniessen und bevorzuge die schönen Landstrassen. Zunächst will ich den Main ein Stück hinauffahren und dann durch den Odenwald. Aber es klemmt. Für die ersten 60 Kilometer brauche ich 2 Stunden. Dicht an dicht reihen sich die Ortschaften, der Verkehr stockt immer wieder und ich bin froh, als ich endlich auf die Schnellstrasse in Richtung Miltenberg komme. Da ich vorhabe, den erst wenige Kilometer jungen Motor nach 'alter Sitte' einzufahren, belasse ich es zunächst bei Geschwindigkeiten zwischen 90 und 100 km/h. Die Maschine liegt ruhig und läuft unangestrengt und leise. Der Windschutz der kleinen Scheibe ist in Ordnung, dafür weht es ganz ordentlich um die Beine. Nun ja, es ist schliesslich auch kein Ohrensessel wie Burgman und Co. Die Sitzposition ist angenehm aufrecht und "prompt". Man kann die Füsse nach Belieben entspannt etwas nach vorn schieben, oder bei kurvigen Passagen motorradähnlich weiter nach hinten, was eine wesentlich bessere Fahrzeugkontrolle erlaubt. 100 Punkte hierfür. Im Odenwald fängt es an zu nieseln, es wird bitter kalt und ich fahre 36 Kilometer in die falsche Richtung. Super. Ich wünsche mir meine BMW her, mit Heizgriffen und Boxer Motor. Ich habe furchtbar kalte Füsse und Hände. Endlich komme ich an den Neckar, die Sonne kommt wieder raus und ich geniesse die schöne Strecke den Fluss entlang bis nach Stuttgart. Dort habe ich die Wohnung von Richard und Mone zur Verfügung, die sich - zusammen mit Anja - in Indien in einem Luxushotel aufhalten. Ich hingegen freue mich wahnsinnig auf meine Tour durch die heimischen Kostbarkeiten.
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