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20.04.03 Gestern hatte ich den Wetterbericht verfolgt und beschlossen, noch einen Tag in Stuttgart zu bleiben und erst dann mit der Campingtour zu beginnen, da es Nachts noch empfindlich kalt werden konnte. Ausserdem ist Stuttgart ja eine ideale Station, um eine schöne Tagestour zu unternehmen. Schon früh am Morgen belade ich mein Topcase mit Picknickverpflegung, einer gefüllten Thermoskanne Instant Kaffee und dem "Baedecker Deutschland" Reiseführer. Als erstes fahre ich zum eleganten Stuttgarter Fernsehturm und geniesse den Blick auf die noch im Morgendunst liegenden Landschaft und die Stadt. Hinten im Osten sind die Höhen der Schwäbischen Alb zu erkennen und dort will ich jetzt hin. Genauso unübersichtlich wie Stuttgart selbst - es gibt keine Möglichkeit sich als Ortsfremder an den verschlungenen Strassenzügen zu orientieren - ist es im Umland. Eine gesichtsloses Dorf reiht sich an das nächste und immer wieder landet man auf Hauptstrassen, die in die Stadt zurück führen. Ich sehe ein, dass dies so nichts wird und brumme die Vierspurige in Richtung Geislingen. Als ich die ersten Bergstrassen die Alb hinaufkurve, kommt endlich die Freude auf, auf die man als Biker den ganzen langen Winter über sehnsüchtig wartet. Die Sonne hat den Morgennebel aufgelöst und es wird zum ersten Mal zu warm in den Handschuhen. Dazu die traumhafte Landschaft mit ihren sanften Höhen in zartestem Frühlingsgrün. Man kann förmlich zuschauen, wie die Pflanzenwelt geradezu explodiert. In den Dörfern gibt es Gasthöfe, die alle "Hirsch" heissen. Hier auf der Alb bieten sich auch Möglichkeiten, dem hochgelobten Fahrwerk des Benelli auf den Zahn zu fühlen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Es ist kein Motorrad. Vor allem keine BMW G/S. Natürlich kann man es dem Roller nicht zur Last legen, aber ich habe mir mit der Enduro scheinbar einen Fahrstil angewöhnt, der die kleinen Räder und die 90 mm Federweg des Velvet schlicht überfordert. So die Kurven mit welligem oder durchlöcherten Fahrbahnbelag, durch die man mit der Enduro einfach so durchbügelt, ohne dass sie sich dadurch beeindrucken liesse. Das geht hiermit nicht. Die Federn, in der Fachpresse als 'sportlich-straff' beschrieben, sind eher soft-komfortabel, auch für mein Befinden. Als ich später anfange, die widerspenstigen Reifen "mit der Brechstange" in sportiven Kurven "rundzuschrubben", bekommt der Ständer des öfteren Fahrbahnkontakt bei Bodenwellen. Mit der Zeit werden die Reifen zwar nicht wirklich besser, aber zumindest berechenbar. In langgezogenen, schnellen Kurven fahre ich die blöden Pellen ständig im Grenzbereich, der viel zu früh beginnt und sich durch seitliches Rubbeln bemerkbar macht. Beim Bremsen in Schräglage will der Roller sich aufrichten. Dass ich trotz allem nicht langsam bin, erkenne ich daran, dass ich eigentlich nie von Motorradfahrern überholt werde, obwohl viele unterwegs sind. Auf einer Motorrad "Rennstrecke" in der Nähe von Münsingen bringe ich es sogar fertig, ein Motorrad zu überholen. Zugegebenermassen ein Chopper und ich auf der letzten Rille... Neben der Test-Heizerei lasse ich es aber auch immer wieder ruhig angehen, geniesse das entspannte Gleiten durch die schönen Landschaften, besichtige Touristenattraktionen wie den Blautopf bei Blaubeuren oder das Schloss Lichtenstein, oder döse bei Pausen im Grünen in der heissen Nachmittagssonne. Zufrieden kehre ich nach diesem Supertag nach Stuttgart zurück, esse Pizza vor dem "Riva" und plane meine nächste Tour.
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