22.04.03

Der Blick auf den Kilometerzähler mahnt an, dass die 1000er Inspektion demnächst ansteht. Die erste Inspektion ist sehr wichtig, nicht nur wegen der Garantie. In der Morgensonne sitze ich beim Kaffee auf der Luftmatratze und telefoniere mit dem deutschen Benelli Importeur, um eine Fachwerkstatt im "ungefähr Grossraum Nürnberg" ausfindig zu machen. Nahe Bamberg gäbe es einen Händler, dieser bestätigt mir gleich telefonisch, dass er morgen Zeit hätte, die Inspektion durchzuführen. Einen Campingplatz gäbe es auch in der Nähe. Alles klar, Bamberg soll ja einen Reise wert sein. Da ich den ganzen Tag Zeit habe, eine vergleichsweise kurze Entfernung zu überwinden, suche ich mir eine möglichst ausgiebige Tour aus, um dort hin zu gelangen.

Zuerst fahre ich durch das Taubertal auf sehr kleinen und leeren Strassen. Der kleine Fluss schwingt sich durch ein sanftes Tal, die Dörfer wirken alt und urtümlich. Nach vielen Flussschlaufen erreiche ich Bad Mergentheim, ab hier ist es eine Bundesstrasse mit etwas Verkehr. Das Tal wird steiler, bevor die Taubermündung in den Main bei Wertheim erreicht ist. Dort mache ich eine Pause und plane den weiteren Verlauf. Ich will den Main zickzack flussaufwärts fahren, bis nach Bamberg. Auf der Hauptstrasse entlang des Flusses herrscht dichter Berufsverkehr und ich komme nur sehr langsam voran. Der Langsamste bestimmt nun mal das Tempo, und das sind die LKW`s, die oft mit 60 km/h hintereinander her schleichen. Ab und zu fängt es an zu regnen, kurze Schauer, die kaum reichen, die Strasse nass zu machen. Nach einer Wurstpause am Truck Stop gegen Spätnachmittag muss ich realisieren, dass ich nicht mehr den ganzen Mainlauf abfahren kann, wenn ich noch rechtzeitig ankommen will. Also verlasse ich bei Karlstadt den Main und fahre über die Dörfer. Eine gänzlich untouristische Gegend, moderne Agrardörfer, mit einer winzigen Autofähre setze ich bei Wipfeld noch einmal über den Main, dann rausche ich mit der Abensonne über leere Strassen. Eine Endurofahrerin, die ich beim Einkaufen treffe, geleitet mich noch ein Stück und zeigt mir eine schöne Strecke, die mich schliesslich bis kurz vor Bamberg bringt. Bamberg empfängt mich von seiner hässlichen Seite. Ich verirre mich in Aussenbezierken, suche vergeblich nach Hinweisschildern und bin etwas entnervt, als ich den Campingplatz schliesslich finde. Er ist tatsächlich nur 5 Kilometer von Pettstadt entfernt, wo ich morgen den Velvet in die Werkstatt bringen werde. Während ich in der Dämmerung mit einem Glas Wein noch an der Regnitz sitze, lese ich die SMS von Anja, in der Sie von ihren Erlebnissen in Indien schreibt. Ich antworte, wie schön es doch in Deutschland im Frühling ist.