21.04.03

"Warm, aber regnerisch im Südwesten", so die Kernaussage des Wetterdienstes. Für mich ist also die Richtung vorgegeben, in die ich nun aufbrechenn werde: Nordosten. Ohne genaues Ziel mache ich mich früh morgens auf den Weg. Es gibt nichts herrlicheres, als in der Morgenfrische schon im Sattel zu sitzen und einen ganzen Tag auf dem Motorrad - Entschuldigung - Roller vor sich zu haben. Das Wetter super, die Landschaft schön, die Ziele frei. Oben auf den Kaiserbergen nehme ich mein Frühstück, fahre dann über Schwäbisch Gmünd ins Fränkische. Auf kleinen, einsamen Strassen geht es über Ellwangen in Richtung Dinkelsbühl. Es ist erstaunlich, wie anders das Gesicht dieser Region im Vergleich zum Schwäbischen wirkt. Der Tank ist ständig leer. 11 Liter passen rein, bei einem Verbrauch von knapp über drei Litern müsste das eigentlich reichen, aber die Reservewarnleuchte blinkt immer schon viel zu früh auf und nervt. Bei meinen Tagestouren vom 300 Kilometern kommt man mit einer Tankfüllung nicht aus. Aber ich denke, von solchen Touren ist man bei der Auslegung des Rollers schlicht nicht ausgegangen.

In Dinkelsbühl komme ich nicht durch, da die Stadt gesperrt ist. Eine Stadterkundung habe ich nicht vorgesehen, zumal ich die mittelalterliche Anlage bereits von einer Tour vor 2 Jahren kenne. Damals waren wir von hier weiter ins Altmühltal gefahren, und genau dies habe ich heute auch vor. Als ich gerade die Umleitung um das gesperrte Stadtzentrum nehmen will, blinkt mit ein Wegweiser in den Augenwinkel: Rothenburg ob der Tauber. Mensch, da wollte ich doch schon immer mal hin, denke ich und verwerfe kurzerhand meinen Plan. Es sind nur knapp 40 Kilometer dorthin und ich hätte noch genug Zeit, mir die einzigartige Stadt anzugucken. In brütender Nachmittagssonne schlage ich das erste Mal in diesem Jahr mein Zelt auf. Dann, ebenfalls eine Premiere in diese Saison, fahre ich in Shorts und T- Shirt mit dem Roller an eines der Stadttore und schlendere durch die Mittelalterkulisse. Die berüchtigten Touristenmassen, vor denen sogar im Reiseführer gewarnt wird, halten sich sogar in Grenzen. Wahr ist allerdings, das hier auffallend viele Japaner anzutreffen sind. Abseits der Hauptstrassen kann man durch die idyllischen Gassen und entlang der Befestigungsanlage bummeln. Pflichtprogramm für mich ist natürlich die Besteigung des Rathausturmes. Über eine ausserordenlich enge und verwinkelte Treppe gelangt man bis hinauf auf den Helm des über 50 Meter hohen Turmes. Der Ausblick auf die in malerischer Landschaft liegenden Stadt mit ihren vielen Dächern und Gassen ist traumhaft. Von einem auf einem Vorsprung vor der Stadt liegenden Park geniesse ich noch lange den Blick in das liebliche Taubertal, die Abendsonne versetzt alles in stimmungsvolles Licht. Mit der einsetzenden Dunkelheit verkrieche ich mich in mein Zelt.